100 Jahre Heldenhain – ein neuer Blick auf den historischen Ort
Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums 2025 erhielt der Heldenhain als ein Ergebnis des Heldenhainprojektes des Gymnasialen Schulzentrums “Fritz Reuter” Dömitz wieder ein Eisernes Kreuz auf der Findlingspyramide und eine Gedenktafel mit den Namen der Dömitzer Bürger, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben.
Wurde anfänglich im Projekt von 81 Menschen ausgegangen, erhöhte sich durch den Abgleich mit weiteren Quellen letztendlich die Anzahl auf 107 Todesopfer aus Dömitz.
Zusätzlich sind zum Gedenken 10 Gefallene aus Klein Schmölen und 13 gefallene Bürger aus Heidhof auf der Tafel genannt, da diese Dörfer bzw. die heutigen Ortsteile von Dömitz damals keine eigenen Kriegerdenkmäler errichteten. Ihre Namen sind nur auf den Gedenktafeln der Kirchgemeinde in der Johanneskirche zu Dömitz verzeichnet.
Volker Pansch
Der Heldenhain – Geschichte und Projektvorstellung
Wenn man Dömitz in Richtung Bundesstraße 191 verlassen möchte, bietet sich ein Zwischenstopp auf dem Brückenparkplatz an. Hier hat der Besucher die Möglichkeit ein Segment der 1945 bombardierten Autobrücke zu betrachten oder auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung noch ältere Relikte aus der Dömitzer Geschichte zu entdecken. Dort befindet sich der Dömitzer Heldenhain.
Als erstes fallen dem Betrachter sicher die Reste des großen Denkmals am Ende der Rasenfläche auf. Schaut man in den Wald hinein, entdeckt man viele große Steine unter den Bäumen. Welche Bedeutung haben sie?
Aus einem Artikel in der Dömitzer Zeitung vom 28. September 1925 war zu entnehmen, dass die Stadtverordnetenversammlung von Dömitz 1920 den Beschluss fasste, in dem Eichenwäldchen am Stadtrand einen Hain zur Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkrieges aus Dömitz zu schaffen. Über die Ausführung war man sich nicht gleich einig. Schließlich wurden unter hohen Kosten und enormem Zeitaufwand die großen Felsen aus der Elbe und der Umgegend von Dömitz herbeigeschafft. Wer sich die Felsen genauer betrachtet, kann die damit verbundenen Anstrengungen sicher gut nachvollziehen.
Durch die Inflation und die daraus resultierende Unsicherheit der wirtschaftlichen Situation in Dömitz mussten die Pläne zur Umsetzung des Heldenhains zunächst auf Eis gelegt werden. 1925 erfolgte dann aber die feierliche Einweihung des parkähnlichen Heldenhains.

Unter den Augen vieler Besucher wurde der Heldenhain im Jahr 1925 eingeweiht. | Repro: Volker Pansch
Alle 81 Namensteine waren mit einem Kranz aus Eichenlaub geschmückt. Bürgermeister Dr. Godau und Pastor Konschak hielten eine Ansprache. Der Heldenhain sollte all jenen ein Ort der Erinnerung und Trauer sein, die ihre toten Angehörigen irgendwo auf einem Schlachtfeld begraben glaubten, und er mahnt nachfolgende Generationen die schrecklichen Folgen von Kriegen nicht zu vergessen.

Das ursprüngliche Eingangstor zum Heldenhain.
Ein Menschenleben später, im Jahre 2009, unternahmen die Schüler des Wahlpflichtkurses Regionalgeschichte des Gymnasialen Schulzentrums Dömitz einige Unterrichtsexkursionen, um Spuren der Geschichte in Dömitz zu erkunden. An einem Nachmittag besuchten wir auch den Heldenhain. In den Schülern erwachte sogleich der Entdeckerdrang. Einige Inschriften auf den Steinen an den Bäumen waren noch vollständig lesbar, einige teilweise, andere gar nicht. Da dokumentiert ist, dass für 81 Gefallene ein Stein zur Erinnerung gesetzt worden war, wollten wir herausfinden, ob noch alle Steine vorhanden sind und wie viele Steine tatsächlich namentlich zugeordnet werden können.
Die Namen der Gefallenen mit Sterbedatum sind in der evangelischen Kirche und in dem Buch „Dömitz die alte Festungsstadt“ aufgelistet. Unser Plan sah vor, das Gelände des Hains in vier Sektoren einzuteilen, die jeweils von einer Gruppe von drei bis vier Schülern untersucht wurden. Die vier Sektoren wurden auf einem Blatt mit einem Gitternetz versehen. Jede Gruppe markierte ihre Steine mittels Kreide mit Nummern, damit kein Stein doppelt erfasst wurde, und trug den jeweiligen Standort in das Gitternetz ein.
Das Ergebnis war überraschend. Wir zählten insgesamt nur 75 Steine. Was ist mit den fehlenden sechs Steinen geschehen? Eine Erklärung wäre, dass sie 1936 im Zuge des Straßenneubaus für die Autobrücke weichen mussten. Der Abschnitt der Bundesstraße 191, der parallel zum Heldenhain verläuft, gehörte früher noch zum Gebiet des Hains. Selbst, wenn es so wäre, wollten wir nun wissen, wessen Steine heute fehlen. Das herauszufinden, war sehr zeitaufwendig, aber auch sehr spannend.
Die Schüler waren mit Eifer dabei und freuten sich über jeden zugeordneten Stein. Auch wenn wir nur das Sterbedatum und vielleicht ein oder zwei Buchstaben des Namens entschlüsseln konnten, war es uns möglich, den vollständigen Namen zuzuordnen, denn wir hatten ja die namentliche Übersicht mit Sterbetag. Bei August Plettenberg und Arthur Neumann konnten wir den Stein nicht genau zuweisen, da beide am gleichen Tag gestorben sind. Immer mehr anonyme Nummern auf unserem Gitternetz erhielten nun eine Identität. Leider hat der Zahn der Zeit auch vor den Arbeiten der Steinmetze nicht haltgemacht. Wir konnten noch 48 der 75 vorhandenen Steine namentlich zuordnen. Die Ergebnisse sind auf einer Übersicht zusammengefasst. Das Rätsel, wessen sechs Steine nun ganz fehlen, konnten wir somit leider nicht lösen.
Dass unsere Arbeit nicht umsonst war, erfuhren wir im Sommer 2010. Friedrich Pohl aus Lüneburg, ein Verwandter von Karl Köhn, hatte von unseren Nachforschungen erfahren und wollte gern wissen, wo der Gedenkstein für Karl Köhn genau steht. Wir konnten ihm dank unserer Recherchen und der erstellten Übersicht diesen Wunsch erfüllen. Er überließ uns zur Kopie ein Foto von Karl Köhn sowie die Todesanzeige in der Zeitung.
In einer weiteren Datei (Projekt) sind unsere Arbeiten mit Fotos dokumentiert.
Katrin Herrmann
Quelle: 775 Jahre Dömitz, Stadt Dömitz und Geiger-Verlag, 2012, S. 317
Anmerkung zur Geschichte des Heldenhains
Nach dem Zweiten Weltkrieg veschwand der zentrale Blickfang, das Eiserne Kreuz aus Gusseisen, von der Findlingspyramide. Auch die Gedenkplatten auf den beiden Stumpfobilisken neben dem Denkmal mit den Daten der Dömitzer Gefallenen des Ersten Weltkrieges gingen verloren. Es lag nicht im politischen Interesse in den folgenden Jahre nach 1945, die fehlenden Teile zu ersetzen. Der Heldenhain verschwand aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Die Parkanlage vor dem Denkmal wurde jedoch von der Stadt Dömitz weiterhin erhalten.
2014 fand dann als Würdigung des Schulprojektes erstmals wieder in Dömitz eine Gedenkveranstaltung des Amtes Dömitz-Malliß zum Volkstrauertag am Heldenhain statt.
Volker Pansch
Das Geschichtsprojekt unserer Schule
Hinter dem Link finden sich noch mehr Informationen über das Projekt unseres Schulzentrums, seinen Ansatzpunkt und die Ergebnisse. In der Präsentation sind zudem viele Bilder von den Arbeiten auf dem Heldenhain enthalten.
Katrin Herrmann
Standorte der Gedenksteine auf dem Heldenhain

| Name | Vorname |
Sterbedatum |
Stein |
| Abel | Ernst |
13.02.1915 |
36 |
| Abel | Paul |
08.09.1914 |
39 |
| Adam | Otto |
18.08.1917 |
74 |
| Ahrens | Karl |
02.09.1914 |
|
| Blumeyer | Friedrich |
23.08.1915 |
43 |
| Böhme | Otto |
30.06.1918 |
26 |
| Busacker | Albert |
20.08.1917 |
|
| Cords | Johannes |
18.08.1916 |
2 |
| Drenkhahn | Franz |
18.03.1916 |
|
| Drenkhahn | Otto |
10.10.1917 |
|
| Dreyer | Heinrich |
30.05.1917 |
|
| Dreyer | Paul |
06.08.1917 |
55 |
| Durow | Wilhelm |
14.12.1918 |
40 |
| Düwel | Franz |
22.04.1918 |
30 |
| Eggerts | Franz |
30.04.1915 |
35 |
| Eggerts | Paul |
18.08.1918 |
32 |
| Eggerts | Robert |
06.09.1914 |
3 |
| Fathke | Wilhelm |
30.04.1917 |
65 |
| Feuerloh | Karl |
19.01.1915 |
|
| Fischer | Fritz |
05.08.1816 |
|
| Franck | Gustav |
19.02.1915 |
52 |
| Frede | Paul |
14.06.1915 |
70 |
| Frede | Wilhelm |
01.09.1916 |
69 |
| Frost | Adolf |
04.08.1915 |
|
| Galowsky | K. |
08.08.1918 |
68 |
| Gäthke | Konrad |
12.05.1918 |
|
| Giese | Helmut |
29.07.1915 |
29 |
| Groß | Otto |
28.07.1915 |
|
| Groth | Louis |
24.04.1918 |
|
| Havemeister | Heinrich |
25.08.1914 |
19 |
| Helms | Wilhelm |
01.07.1917 |
|
| Herr | Max |
21.09.1915 |
6 |
| Hinz | Alwin |
16.10.1916 |
|
| Jahnke | Friedrich |
12.04.1918 |
63 |
| Jobmann | Otto |
02.08.1917 |
13 |
| Jungblut | Heinrich |
06.05.1915 |
59 |
| Klein | Friedrich |
18.07.1918 |
|
| Kleinsorge | August |
01.04.1916 |
18 |
| Klinge | Franz |
17.07.1918 |
57 |
| Kloock | Willi |
08.02.1917 |
|
| Köhn | Heinrich |
06.06.1917 |
14 |
| Köhn | Karl |
25.06.1918 |
5 |
| Köpke | Friedrich |
30.03.1918 |
31 |
| Korth | Emil |
20.10.1918 |
20 |
| Lochow | Willi |
07.05.1917 |
46 |
| Lüth | Otto |
28.01.1915 |
|
| Lüth | Otto |
20.02.1916 |
33 |
| Lüth | Wilhelm |
29.03.1915 |
|
| Marggraff | Hans |
25.09.1915 |
71 |
| Neumann | August |
06.04.1918 |
60? |
| Otte | Richard |
08.04.1916 |
41 |
| Plettenberg | Arthur |
06.04.1918 |
60? |
| Plettenberg | Franz |
27.05.1915 |
|
| Reusch | Franz |
.03.1916 |
66 |
| Reuter | Hans |
27.04.1917 |
15 |
| Ritter | Karl |
03.12.1918 |
44 |
| Rusch | Hermann |
30.08.1916 |
72 |
| Sauerbier | Friedrich |
23.10.1915 |
16 |
| Schelsky | Ernst |
21.06.1915 |
42 |
| Schlünz | Karl |
19.09.1915 |
|
| Schnobel | R |
27.06.1918 |
|
| Schulenburg | W. |
06.12.1918 |
|
| Schult | Johann |
25.12.1914 |
61 |
| Schulz | Georg |
06.09.1914 |
73 |
| Schütt | Adolf |
13.03.1916 |
|
| Seeger | Heinrich |
23.01.1915 |
62 |
| Soltau | Wilhelm |
04.10.1917 |
|
| Strauß | Friedrich |
02.07.1915 |
7 |
| Strübing | Hans |
05.11.1917 |
|
| Talg | August |
12.08.1915 |
38 |
| Thieme | Arthur |
30.05.1917 |
54 |
| Wehmeyer | Paul |
23.03.1916 |
8 |
| Wehmeyer | Walther |
31.08.1916 |
9 |
| Wendt | E. |
.02.1919 |
|
| Wendt | Walther |
13.06.1915 |
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