Bericht vom Fachtag Niederdeutsch in Boltenhagen
„Daun deit lihren“ – Das Motto innerhalb der Vermittlung der Niederdeutschen Sprache. Die Bedeutung dahinter ist nicht so einfach, wie die wörtliche Übersetzung: „Tuen/Machen macht lehren/lernen“, sondern steckt viel mehr hinter diesen drei Worten.
Das Gymnasiale Schulzentrum „Fritz Reuter“ Dömitz hat sich mit der Endscheidung, eine Profilschule mit dem Schwerpunkt Niederdeutsch zu bilden, dazu verpflichtet, die Niederdeutschlehrkräfte stetig fortzubilden. Dem Aufruf zu dem ersten Landesfachtag Niederdeutsch folgte der Niederdeutsch-Profilkoordinator unserer Schule, Herr Siemssen-Heinsohn, um nicht nur neue Erkenntnisse der Forschung durch Frau Prof. Dr. Arendt – Leiterin des Kompetenzzentrums für Niederdeutschdidaktik – zu erlangen und diese dann in den Unterricht einzubauen, sondern diente diese Veranstaltung vor allem der Vernetzung und dem Austausch mit anderen Lehrkräften, aber auch Niederdeutsch-Schülerinnen und -Schülern.
Ein weiteres Highlight des ersten Fachtags Niederdeutsch war die Verkündung des ersten niederdeutschen Schülerwortes: Dösbaddel/Dœsbaddel. Innerhalb des Auswahlverfahrens und der Abstimmung des Wortes konnte auch hier am SZD eine große Begeisterung festgestellt werden. In keinerlei Gesprächen wurde dabei das Wort Dösbaddel negativ – so wie auch die wörtliche Übersetzung Dummkopf es anzeige – aufgenommen, sondern in einem netten, lustigen bzw. witzigen Zusammenhang als Tollpatsch oder verträumte Person verstanden, was auch eines der Ziele der Ausrichtung dieses Wettbewerbes war und weiterhin ist: Die niederdeutsche Sprache nicht als Verballhornung, sondern als Chance, unglückliche Situationen positiv zu benennen und mit einem typisch norddeutschen Humor sowie Lebensgefühl aufzunehmen.
Der erste Fachtag Niederdeutsch wurde zudem dafür genutzt, die pädagogischen Institutionen, wie Kitas, Kindergärten und Horte, sowie Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, die sich dem Erhalt und der Aus- und Weiterbildung des Niederdeutschen widmen, besonders auszuzeichnen. Hierbei übergab unsere Bildungsministerin, Frau Oldenburg, auch dem SZD die Plakette, welche demnächst im Foyer zu sehen ist und allen zeigen soll, dass hier am SZD die niederdeutsche Sprache gefördert wird.
Nach den Workshops, welche zur Weiterbildung im Bereich der Niederdeutschvermittlung genutzt werden konnten, wurde ein positives Gefühl in Bezug auf die Möglichkeit zur landesweiten Vernetzung in der abschließenden Podiumsdiskussion verbreitet. Somit freuen wir uns auf den nächsten Fachtag Niederdeutsch in Mecklenburg-Vorpommern und widmen uns auch intern in dieser Schule dem Motto „Daun deit lihren“.
Till-Hendrik Siemssen-Heinsohn (Dezember 2025)
Unser Schulzentrum ist seit dem Schuljahr 2017/2018 eine von sechs Profilschulen in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Schwerpunkt Niederdeutsch.
Auszug aus dem Landeskonzept
Das Profil Niederdeutsch hat zum Ziel, die Regionalsprache Niederdeutsch nach einer Fremdsprachendidaktik gemäß der Europäischen Charta der Regional – oder Minderheitensprachen zu vermitteln. Der systematische Unterricht sichert eine geregelte Sprachweitergabe dieser Regionalsprache, welche zwar im gesamten Norden verbreitet ist, jedoch für die heutigen Schülerinnen und Schülern den Status einer Fremdsprache einnimmt. Die Ausrichtung des Unterrichts und der außerunterrichtlichen Aktivitäten befördert so einerseits eine Verbindung zu Heimat, persönlicher Identität, Traditionsbewusstsein und Landesgeschichte und andererseits durch die Stärkung des Eigenen die Fähigkeit zur Begegnung mit anderen europäischen Kulturen und Weltoffenheit.
Die Profilschulen für Niederdeutsch verstehen sich dabei nicht einseitig als Hüter alter Traditionen, sondern als Erneuerer der Sprachvermittlung und bauen Sprachbrücken zum Englischen sowie allen nord- und westeuropäischen Sprachen aus. Die Bewahrung der Regionalsprache Niederdeutsch heißt in diesem Sinne auch, ihre Dynamik zu erhalten. Neben dem Unterricht in Niederdeutscher Sprache und Literatur manifes tiert s ich das Profil nicht zuletzt in fächerverbindenden und fachübergreifenden Aspekten im gesamten Schulleben sowie durch die Teilnahme an Wettbewerben.